Ich bin nun ca. 3 Tage alt und befreie mich gerade aus meinem Ei. aktuell genieße ich vollen Service. Ich werde mit vorgefertigtem Brei gefüttert und habe noch genug Platz in meiner Wabenzelle. Bewegen kann ich mich noch nicht wirklich viel und ich verliere jeden Tag meine Haut – keine Sorge, darunter befindet sich bereits eine Neue. Irgendwann verändert sich meine Haut, ich werde größer und es bilden sich Spinndrüsen. Nach ca. 12 Tagen habe ich mich komplett verpuppt und schlafe für ungefähr 9 Tage in der mittlerweile versiegelten Wabenzelle. An meinem 21. Lebenstag erwache ich, weil meine Puppenhaut geplatzt ist. Langsam wird’s eng in meiner Zelle, desewgen nage ich  mich durch den Deckel. Gespannt krabbele ich aus meiner bisherigen Behausung, um zu sehen, was mich da draußen erwartet.

Das Leben aus der Sicht einer Arbeiter-Biene 1
Das Leben aus der Sicht einer Arbeiter-Biene 2
Das Leben aus der Sicht einer Arbeiter-Biene 3

Weit weg hab ich es nicht geschafft. Sofort entdeckt mich eine meiner neuen Arbeitskolleginnen und schickt mich zurück in die Wabe, um diese – und auch mich – zu putzen. Und zwar gründlich! Unsere Königin hat hier ziemlich hohe Ansprüche und die Zellen werden benötigt, um meine Nachfolger zu beherbergen. Kaum war ich mit dieser anstrengenden Arbeit fertig, wurde ich zum Babysitten verdonnert. Ich bin nun Kindermädchen für meine Nachfolger. Ich strenge mich an und helfe fleißig mit, die Kleinen zu füttern und zu umsorgen. Nach 10 Tagen putzen und Kinder hüten werde ich befördert. Ich bin nun eine „Baubiene“!

Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und meinen mittlerweile vollständig ausgebildeten Wachsdrüsen, baue ich nun Waben. Sehr spannend und auch sehr wichtig für den Bestand unseres Volkes. Ich bin richtig stolz auf diese Tätigkeit. Außerdem wirke ich bei der Klimatisierung des Bienenstockes aktiv mit. Wenn es zu warm wird, fächeln wir alle mit unseren Flügeln kühle Luft in den Bau. Ich bewege mich nun frei im Bienenstock und erhasche immer wieder einen Blick auf den Ausgang. Ich merke wie mich die Sehnsucht und die Neugier packen. Als ob meine Wünsche erhört wurden, bekam ich ca. nach einer Woche meines Daseins als „Baubiene“ die nächste Beförderung.

Das Leben aus der Sicht einer Arbeiter-Biene 4

Ich kann es kaum glauben. Mein neuer Arbeitsplatz als „Wächterbiene“ befindet sich direkt am Flugloch unseres Bienenstocks. Eigentlich sollte ich mit unserer Königin über eine Gefahrenzulage, in Form von einer Extraportion Honig, sprechen. Ihr ahnt ja nicht, was es da draußen für gefährliche Gegner gibt! Wespen, Hornissen und Menschen kommen unserem Zuhause teilweise viel zu nahe! Und bevor was Ernsthaftes passiert, muss gehandelt werden! Gott sei Dank hat sich meine Giftdrüse endlich vollständig entwickelt. Ich bin bereit, mein Leben für den Stock zu opfern! Wenn ich Unterstützung benötige, setze ich Alarmpheromone frei, welche Verstärkung anlocken. Da dieser Job ziemlich gefährlich und anstrengend ist, werde ich hier nicht alt. Nach 3 Tagen Vollzeit-Schaffen bekomme ich schon wieder meine nächste Beförderung.

Für eine Arbeitsbiene bin ich mittlerweile schon relativ alt. Das wird also mein letzter Jobwechsel sein, den ich annehmen kann. Ich konnte mir, als sogenannte „Flugbiene“, nun aussuchen, ob ich eine „Spurbiene“ oder eine „Sammelbiene“ werde. Ich habe mich für den Job als „Spurbiene“ entschieden. Ich kundschafte mit meinen Kolleginnen die Landschaft aus und halte Ausschau nach Nektar, Pollen oder Honigtau. Wenn die Qualität der Nahrung stimmt, die wir gefunden haben, führen wir im wahrsten Sinne des Wortes, einen Tanz auf – den sogenannten „Rund- oder Schwänzeltanz“. Mit diesem informieren wir die Sammlerinnen im Stock über die Lage, die Ergiebigkeit und die Qualität der Nahrungsquelle. Danach werden die Sammelbienen aktiv und schwärmen aus, um die „Tracht“ einzuholen.

Das Leben aus der Sicht einer Arbeiter-Biene 5

Ich bin im Frühsommer auf die Welt gekommen und habe mit 6 Wochen ein hohes Alter für eine Flugbiene erreicht. Mein Ende kam ziemlich überraschend – ich musste mich zur Wehr setzen gegen einen Menschen und verlor dabei meinen Stachel, was fatale Folgen für mich hatte. Als Flugbiene haben wir meist keine so hohe Lebenserwartung wie Stockbienen. Ich bin dankbar für die Zeit, die ich mit meinem Volk verbringen durfte und habe diese auch sehr genossen.

Bildquellen: Shutterstock.com / Werk „Die Tänze der Bienen“ von K. v. Frisch, Universität Graz, Seite 11/1. Auflage 1946
Fotografen: Cornel Constantin, bamgraphy, Lehrer, Vova Shevchuk, Jaroslav Moravcik, Flystock