Das Leben einer Bienenkönigin

Das Leben einer Bienenkönigin

Wer das Wort „Königin“ hört oder liest, hat meist ein prunkvolles, leichtes Leben vor Augen. Ein Leben in welchem man gehuldigt und verehrt wird. Selten verbindet jemand den Begriff „Königin“ mit einem anstrengenden, am Anfang sogar lebensgefährlichen Lifestyle. Ich bin Bienenkönigin eines Volkes und erzähl euch nun aus meinem Leben.

Bei meiner Geburt war ich so wie alle anderen. Das einzige, was sich unterschied war meine Zelle. Ich bin in einer sogenannten „Weiselzelle“ aufgewachsen. Diese Zelle ist, im Gegensatz zu den gewöhnlichen Zellen, senkrecht anstatt waagrecht ausgerichtet. Außerdem bekam ich immer das beste Futter von allen, auch genannt, „Gelée Royal“. Diese spezielle Art von Nahrung bleibt nur zukünftigen Königinnen vorbehalten und wird von den „Ammenbienen“ in speziellen Kopfdrüsen erzeugt. Dieses Futter entscheidet darüber, wer Königin wird. Außerdem wird eine Königin nur „erschaffen“, wenn die jetzige Königin stirbt, aus Altersgründen ersetzt werden muss oder sich das Bienenvolk über das „Schwärmen“ teilt.

Nach und nach entwickelte ich, durch die Fürsorge der Arbeiterinnen und meiner speziellen Nahrung, einen längeren Hinterleib als für Bienen gewöhnlich und auch mein Stachel, der in der Regel nur einmal zum Einsatz kommt, nimmt Gestalt an. Ich bin nicht die einzige Bienenkönigin, welche gerade heranwächst. Wir alle haben nur ein Ziel – die „Stockmutter“ zu werden. Es gibt keinen Platz für zwei oder mehrere Königinnen in einem Stock. Als ich ca. 16 Tage alt war, befreite ich mich aus meiner Zelle. In den engen Gängen ist es angenehm warm und ich werde freundlich von den Arbeiterinnen gegrüßt.

Auf meinem Weg nach draußen passiert es, eine andere potenzielle Königin kreuzt meinen Weg. Diese Begegnung verläuft nie freundlich, nun geht es ums nackte Überleben. Ein erbitterter Zweikampf beginnt. Die alte Königin ist bereits mit einem Teil des Volkes ihre Wege gegangen und es gibt in einem Bienenstock nur Platz für eine von uns. Wir kämpfen um Leben und Tod und ich verpasse meiner Konkurrentin nach einer gefühlten Ewigkeit den Todesstoß und hoffe inständig, dass dies das letzte Mal gewesen ist, wo ich einen Artgenossen um sein Leben bringen musste.

Ein paar Tage später geht es zu meinem Hochzeitsflug. Gottseidank gab es keine weiteren Zwischenfälle mit konkurrierenden Königinnen mehr in dieser Zeit. Ich fliege also zu einem sogenannten „Drohnensammelplatz“, um von mehreren Drohnen begattet zu werden. Drohnen sind die männlichen Bienen, dessen einzige Lebensaufgabe darin besteht, Königinnen erfolgreich zu befruchten. Eine ziemlich anstrengende Tortur, denn ich paare mich mit bis zu 12 Drohnen, teils aus dem eigenen, teils aus fremden Völkern, welche ich zuerst durch das absondern der „Königinnensubstanz“ anlocken muss. Paaren muss ich mich nur einmal in meinem Leben. Danach bin ich für meine gesamte Lebenszeit mit ausreichend Spermien ausgestattet.

Jetzt geht es ans Eierlegen – dies ist unter anderem eine meiner Hauptaufgaben in meinem Leben. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen die Arbeiter-Bienen, aus den unbefruchteten die Drohnen. Ich kann bis zu einem Ei pro Minute legen, das entspricht etwa 1.000 – 1.500 Eiern pro Tag. Meine zweite Aufgabe besteht darin, das Geschehen im Staat durch Pheromone zu regeln. Die Pheromone unterstützen das Lernverhalten der Arbeiterinnen und hält diese – auch während des Schwärmens – zusammen. Zudem signalisiert dieser Stoff den richtigen Zeitpunkt für die Aufzucht einer Ersatzkönigin. Jedes Jahr mache ich Platz für eine Nachfolgerin und schwärme im Frühsommer mit tausenden Bienen aus. Davor lege ich in meinem alten Staat Eier in die Weiselzellen, damit eine neue Königin herangezogen werden kann. Und so verbringe ich mein ganzes Leben.

Von all den anderen Bienen, wie der Arbeiter-Biene oder der Drohne, lebe ich am längsten. Ich erreiche das hohe Alter von 3-4 Jahren, außer ein unglücklicher Unfall kommt dazwischen. Mit Stolz kann ich auf mein anstrengendes Lebenswerk zurückblicken und hoffe, euch somit belehrt zu haben, dass der schöne Titel „Königin“ auch mit erheblichen Anstrengungen und Risiken einhergeht.

In diesem Video erklärt euch Kuno vom Bienenzuchtverein Hörbranz-Leiblachtal, wie neue Bienenköniginnen gezüchtet werden

Bildquellen: (Shutterstock.com) Fotografen: Mirko Graul | Diyana Dimitrova | Thomas Soellner | angelshot

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Über den Autor
Alexandra
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